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Das Festival artacts in St. Johann in Tirol hat sich in den letzten Jahren einen Fixplatz im internationalen Festivalzirkus für zeitgenössische Jazz- und Improvisierte Musik erworben. Im Jahr 2010 feiert man bereits ein kleines Jubiläum, geht doch das Festival bereits zum 10. Mal über die Bühne, BesucherInnen reisen mittlerweile aus Schweden und Süditalien, aus Frankreich, der Schweiz, aus Deutschland, Tschechien und ganz Österreich nach St. Johann.
Drei Tage lang geben sich internationale Stars und heimische Musikergrößen die Türklinken der Alten Gerberei in die Hand, 3 bis 5 Konzerte pro Tag, ergänzt um entsprechende Vermittlungsangebote, stehen an den drei Abenden auf dem Programm. Bei der Erstellung des Programms ist für artacts man einzig der Qualität der Musik verpflichtet. Stilistisch reicht die Bandbreite von improvisierter Kammermusik bis hin zu kraftvollem Freejazz, von experimentellen Musikformen über elektronische Musik bis hin zu multimedialen Projekten.
Zwei ergänzende Workshops zum Thema Improvisierte Musik werden wie alljährlich angeboten: der Workshop für Profi- und Amateurmusiker wird im Jahr 2010 vom österreichischen Komponisten, Saxophonisten und Violinisten Michael Fischer geleitet, nachdem in den Jahren zuvor etwa der Schweizer Klarinettist und Saxophonist Hans Koch, der schwedische Saxophonhero Mats Gustafsson oder der Stimmvirtuose Phil Minton aus Großbritannien die KursteilnehmerInnen begeistern konnten. Agnes Heginger, Vokalistin aus Wien, wird den Impro-Workshop für Kinder gestalten.
Throughout the Jazz world artacts has gained a reputation of being one of the most innovative and progressive festivals for Jazz and Improvised Music. A commitment to celebrating new work and young experimental artists ensures that the festival never stands still and continues to receive international coverage with audiences and performers drawn from across Europe and the US.
The 2010 festival takes place from Friday 5th March to Sunday 7th March in the amazing premises of “Die Alte Gerberei”, a converted tannery in the Tyrolean town of St Johann in the middle of the Austrian Alps. artacts has always strived to bring to St Johann a selection of top performers in a broad range of musical styles. 2010 is no exception.
The organisers are delighted to welcome yet again a number of the most accomplished musicians and artists from Austria, Europe and the US. This year´s focus is on improvised chamber music as well as on powerful free jazz. Experimental Music, electronic music and multi-media based projects will be another crucial part of artacts10.
The festival is completed by two workshops for professional artists and regional music aficionados as well as an impro workshop for children. Both workshops will be arranged and conducted by musicians appearing in the 2010 festival.
Freitag, 5. März 2009, 19.00 Uhr
Alte Gerberei, St. Johann in Tirol
Plasmic Quartet (A)
Agnes Heginger – voice
Elisabeth Harnik – piano
Uli Winter – cello
Fredi Pröll – drums
Die Musik von Plasmic setzt ein aktives und waches Sich-Öffnen für ihre Brüche, Umwege, Eigenarten und Eigenwilligkeiten voraus. „Improvisation“, so die Musiker dieses Kollektivs, „ist die Erkundung des Augenblicks und das behutsame Bauen auf die Schönheit der Eingebung. Wenn in den Weltreligionen die Natur ein Ausdruck göttlicher Kräfte und Mächte ist oder sogar selbst als heilig betrachtet wird, dann sind auch ihre Klänge göttlich. Musik erfahren wir mit unseren Sinnen, sie wirkt und jeder Ton wird zu einer Klangoffenbarung. Sie ist Teil des ewigen Wechselspiels, und im Erklingen und Verebben der Klänge zeigt sich das ewige Spiel vom Werden und Vergehen.“ Die beiden Ulrichsberger Uli Winter und Fredi Pröll bilden die Stammzelle des in verschiedenen Besetzungen auftretenden Improvisationsensembles Plasmic. Als festes Trio mit der Pianistin Elisabeth Harnik besteht Plasmic seit 2003. In den letzten Jahren wurde das Ensemble immer wieder durch bedeutende VertreterInnen der europäischen Improvisationsszene zum Quartett und auch zum Quintett erweitert. Seit 2007 kooperiert Plasmic mit der Sängerin Agnes Heginger (zuletzt hier mit dem Bassisten Georg Breinschmid in völlig anderem Kontext zu Gast), die auch schon zu Studienzeiten mit Elisabeth Harnik zusammengearbeitet hat.
http://www.agnesheginger.com
http://www.elisabeth-harnik.at
http://www.teacher.eduhi.at/plasmic/index.htm
Porta Chiusa (CH, D)
Paed Conca – clarinet, bass
Kai Fagaschinski – clarinet
Michael Thieke – clarinet, zither
Der interdisziplinären Performance Porta Chiusa liegt der Konflikt zugrunde, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts Menschen in einer Welt, bestehend aus zahllosen Nationalstaaten, immer noch ungleich behandelt werden. Es wird von Rasse und Hautfarbe gesprochen, Ernährung, Gesundheit und Zugang zu Bildung werden immer noch von hierarchischer Klassifizierung abhängig gemacht.
Drei künstlerische Arbeiten werden in der Komposition Porta Chiusa als Live-Konzert mit Kai Fagschinski, Michael Thieke und Paed Conca aufgeführt: ein Videofilm mit dem eventualistischen Künstler Giovanni Di Stefano, der mit verbundenen Augen versucht hat, eine Glastüre mit schwarzer Ölkreide komplett zu übermalen - woran er durch seine Sichtbehinderung zwangsläufig scheitert. Dazu eine Wortkreation der Autorin und Performerin Heike Fiedler in verschiedenen Sprachen, die mit dem Begriff der Ausgrenzung und Unterdrückung spielt. Und schließlich ein Film von Giorgio Andreoli, der im Jahr 2008 die Abschiebung von Asylsuchenden am Flughafen Zürich/Kloten dokumentiert hat.
Kai Fagaschinski, Klarinettist, Komponist und Performer mit Sitz in Berlin, erforscht und erweitert als Autodidakt die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments. Er beschäftigt sich intensiv mit Geräuschphänomenen und beherrscht auf der Klarinette die Mehrklangtechnik. Als einer der profiliertesten Vertreter der jüngeren Generation im Grenzbereich zwischen komponierter Neuer Musik und Freier Improvisation gastierte Kai Fagaschinski weltweit auf den wichtigsten Festivals dieses Genres. Nicht weniger umtriebig werkt Michael Thieke. Bereits während seines Studiums bei Denney Goodhew, Kirk Nurock und Jerry Granelli trat er mit Billy Bang und dem Schweizer Klarinettisten Gregor Hotz nachdrücklich in Erscheinung. Zahllose eigene Projekte, wie etwa Nickendes Perlgras, Dok Wallach oder The Magic I.D. kennzeichnen seither seinen künstlerischen Weg, dazu tritt er als Gast in Bands wie Gebhard Ullmanns The Clarinet Trio auf. Paed Conca ist Vielen als Bassist des Blast Quartets in Erinnerung, der Schweizer tritt jedoch auch immer wieder als Klarinettist und Schöpfer interdisziplinärer Projekte in Erscheinung. Zuletzt war er hier in St. Johann mit Peter Handkes Sprechstück Selbstbezichtigung zu Gast. Darüber hinaus spielt Conca regelmäßig in eigenen Bands mit internationalen Musikern wie Christine und Sharif Sehnaoui, Saadet Türköz, Hans Koch, Thomas Meier oder Michael Zerang.
http://www.paed.ch
http://www.michael-thieke.de
http://www.kylie.klingt.org
Swedish Azz (S, A)
Mats Gustafsson – saxophones, electronics
Per-Ake Holmlander – tuba, cimbasso
Kjell Nordeson – vibraphone
Dieb13 – turntables, electronics
Eric Carlsson – drums
Swedish Azz, das ist die neue Band des schwedischen Saxophonmagiers Mats Gustafsson und seines langjährigen und kongenialen tubaspielenden Weggefährten Per-Ake Holmlander. Die Band vereint fünf der derzeit umtriebigsten Impro-Musiker (nicht nur Schwedens!) und hat sich ganz den Meisterwerken des Goldenen Zeitalters der schwedischen Jazzmusik der 50er- und frühen 60er-Jahre verschrieben. Stark beeinflusst vom amerikanischen West Coast Jazz, aber durchaus charmant versetzt mit Eigenheiten der schwedischen Folkmusik, erwarben sich ein Lars Gullin, Jan Johansson, Bernt Rosengren, Georg Riedel, Lars Werner, Berndt Egerbladh oder Per Henrik Wallin ihren exzellenten internationalen Ruf. Mit angemessenem Respekt vor diesen Errungenschaften macht sich nun Swedish Azz daran, diese lyrischen Melodien mit zeitgenössischen Strukturen und Klangmöglichkeiten zu versetzen, der Einsatz von Live-Elektronics und die Möglichkeiten der freien Improvisation versprechen jedenfalls ein packendes Klangerlebnis.
Mats Gustafsson gilt gemeinhin als einer der führenden Saxophonisten im Free Jazz, die Liste seiner Spielpartner liest sich wie ein Who is Who der Freien Musik. Sein kraftvoller und impulsiver Stil prägt nicht zuletzt auch Großensembles wie das London Jazz Composers Orchestra unter Barry Guy oder Peter Brötzmanns Chicago Tentet. Diese Bands versichern sich auch immer wieder der Dienste des Tubavirtuosen Per-Ake Holmlander, der neben seiner regelmäßigen Arbeit mit Mats auch zahlreiche eigene Projekte verfolgt. Mit Kjell Nordeson und Eric Carlsson sorgen zwei Musiker der jüngeren Generation für den nötigen Drive in der Gruppe. Und mit dem Österreicher Dieter Kovacic aka Dieb 13 hat sich die Band die Dienste eines der umtriebigsten Elektronik-Musiker unserer Zeit gesichert.
http://www.swedishazz.klingt.org
http://www.matsgus.com
http://www.kjellnordeson.com
http://www.dieb13.klingt.org
Samstag, 6. März 2009, 19.00 Uhr
Alte Gerberei, St. Johann in Tirol
L & V Improvisers Orchestra, feat Local Singers (A, International), cond. by Michael Fischer
Michael Fischer – concept, conduction
Christine Grassmann – brass
Martin Mallaun – zither
Walter Graf – percussion
Markus Dag – percussion
Magdalena Knapp-Menzel – poetry, recitation
Clementine Gasser – 5 string cello
Iris Kübler – accordion
Eric Arn – acoustic guitar
Ilse Riedler – tenor saxophone, bass clarinet, flute
Alfred Lang – trumpet
Stefan Roth – computer
local singers
Das Vienna Improvisers Orchestra widmet sich seit 2004 den Möglichkeiten der strukturellen Organisation und Vermittlung von musikalischen und außermusikalischen Ideen großer Ensembles im genreübergreifenden Kontext.
Der Leiter des Ensembles, Michael Fischer, arbeitet an der Schnittstelle Improvisierte/NeueMusik/Klangkunst an Saxophon, Violine, Radiostudiosetup, CDsoundscapes, Conductions, an der Sprachimmanenz von Klängen und zur klanglichen Synthese an den Übergängen von ‚Konkretheit der Spache’ – ‚Unkonkretheit der Musik’; seit 1999 zum elektroakustischen Phänomen Feedback. Kooperationen mit John Edwards, Eileen Standley, Ken Okami, Korhan Erel, Irene Schweizer, William Parker, Gerhard Rühm, Gerhard Jaschke, Petra Ganglbauer, Marc Adrian, u.v.a. Instant Compositions und Conductions für Improvisationsorchester im Rahmen internationaler Festivals in Japan, Spanien und Deutschland.
In diesem zum L(ocal) & V(ienna) Improvisers Orchestra erweiterten Projekt werden neben den sechs MusikerInnen aus Wien, allesamt gewichtige Vertreter der Zeitgenössischen Improvisierten Musik, und der Schauspielerin und Schriftstellerin Magdalena Knapp-Menzel auch 6 MusikerInnen sowie 15 VokalistInnen aus der Region um St. Johann in Tirol mitwirken. Dieses großorchestrale Ensemble lässt einen wuchtigen und sehr dynamischen Klangkörper erwarten.
www.wuk.at/m.fischer
www.clementine-gasser.com
www.myspace.com/iriskuebler
www.myspace.com/ericarnsounds
www.ilseriedler.com
Paul Hubweber´s British Choice (GB, D)
Paul Hubweber – trombone
Peter Evans – trumpet
John Edwards – double bass
Paul Lytton – drums
Paul Hubwebers Vorliebe für angelsächsische Musiker zeigt sich in seinem Trio PaPaJo mit Paul Lovens und John Edwards, in der mehr als 30jährigen Zusammenarbeit mit Paul Lytton, in seinen häufigen Gastspielen beim London Improvisers Orchestra, im Zusammenspiel mit George Lewis, Lou Grassi und anderen US-Musikern. So ist die neue Besetzung hier eine weitere Konsequenz dieser Kontinuität: Paul Hubwebers Transatlantic Choice mit Energiebündel Peter Evans, dem begnadeten John Edwards, Urgestein Paul Lytton und eben jenem ungemein facettenreichen Posaunisten Paul Hubweber. Die Band entfaltet Wellenbewegungen tsunamischen Ausmaßes.
Paul „Hubwebers steady go Posaune“ (Zitat Paul Lovens) ist in so unterschiedlichen Projekten wie Schnack (mit Elektroniker Uli Böttcher), Vinyl & Blech (mit Turntabler Claus van Bebber), Paanna (mit Flötistin Anne LaBerge und Saxophonistin Naomi Sato), im famosen Trio PaPaJo oder auch solo zu hören. All diese Projekte bestechen durch die souveräne Leichtigkeit, mit denen sich Hubweber und seine KollegInnen durch die Gewässer ihrer Improvisationen bewegen. Mit Peter Evans stößt einer der gefragtesten Trompeter und wesentlichsten Vertreter der jüngeren New Yorker Avantgarde in die Band. Seit 2003 ist er Fixpunkt der New Yorker Szene, sowohl als Solist wie auch als Leiter des Peter Evans Quartet oder als Gast in zahlreichen kleinen und größeren Ensembles. Sein musikalisches Repertoire reicht weit über die Freie Impro und Avantgarde hinaus, auch in Barockkonzerten wusste er sein Publikum zu begeistern. Als Fixstern in der so regen Londoner Improszene gilt seit gut 20 Jahren Bassist John Edwards. Roger Turner, Lol Coxhill, Phil Minton, Maggie Nichols, Evan Parker zählen zu seinen regelmäßigen Spielpartnern, jahrelang prägte er mit seinem Bassspiel etwa das Quintett B-Shops For The Poor, zahllose Einladungen führten ihn zu den wichtigsten Jazzfestivals in Europa und die USA. Und mit Paul Lytton kommt eine der zentralen Perkussionisten der freien Musik in das Quartett. Lytton gilt als federführender Musiker der Londonder Freeszene, mit seinem Spiel prägt er Ensembles wie das London Jazz Composers Orchestra, das Globe Unity Orchestra oder das King Übü Örchestrü. Seine Projekte mit Evan Parker, Barry Guy, Derek Bailey oder Ken Vandermark zählen zu den richtungsweisendsten der freien Musik und ohne Zweifel zum aufregendsten, was diese Musik heute zu bieten hat.
http://www.paulhubweber.com
http://www.myspace.com/peterevanstrumpet
http://www.efi.group.shef.ac.uk/musician/medwards.html
http://www.paullytton.com
Badminton (A)
Martin Philadelphy – e-guitars
Wolfgang Mitterer – electronics
Josef Klammer – drums, electronics
Badminton = Bad - Böse, Min - Miniature, Ton - Ton
Badminton ist nicht nur ein experimentierfreudiges Bergwelt-Trio, sondern auch ein Ensemble mit dynamischer Spielkunst und knallharter Schlagkraft, mit feingliedrigen Kombinationen, die sich zielstrebig zu wuchtigen Ausbrüchen hinarbeiten. Eine explosive Beschleunigung mit hoher, sich verlangsamender Flugphase. Drei Musiker, denen der Improvisation-Schalk im Nacken sitzt, ohne die Ernsthaftigkeit eines misslungenen Aufschlags aus den Augen zu verlieren.
Martin Philadelphy, in Wien lebender Tiroler Gitarrist, Sänger, Performer und Autodidakt, zählt zu den Ausnahmeerscheinungen heimischen Musikschaffens. Zwischen den Polen Artrock, Improvisation, Schräglagenjazz und Avantgardepop oszilliert Philadelphy und setzt sich dabei nicht selten zwischen alle Stühle. Seine Musik veröffentlicht der Tiroler auf dem eigenen Label Delphy Entertainment, das mittlerweile bei Katalognummer 021 angekommen ist. Eigens für artacts ´10 hat Martin Philadelphy dieses Trio zusammengestellt, das – mit den beiden Osttirolern Wolfgang Mitterer und Josef Klammer – auch einer Tiroler Allstarband gleichkommt. Wolfgang Mitterer studierte Orgel, Komposition und Elektroakustik in Wien und Stockholm und gehört in Österreich nicht nur zu den Spezialisten für Elektronik, gleichermaßen virtuos an Tasten und Reglern, sondern auch zu den innovativsten Komponisten. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Komposition und offener Form, neben Orgel- und Orchesterstücken, einem Klavierkonzert oder einer Oper hat er elektronische Stücke produziert, Klanginstallationen konzipiert, in diversen Formationen kollektive Improvisation betrieben und eine Sprache der Extreme, der Spannung, der Vielschichtigkeit entwickelt. Zahllose Auftragswerke und Preise pflastern seinen musikalischen Werdegang. Ergänzt wird das Trio durch den in Graz lebenden Perkussionisten Josef Klammer. Klammer erweitert sein diffiziles Trommelspiel immer wieder durch die Verwendung elektronischer Geräte, durch den Einsatz verschiedenster Klangkörper erforscht und entwickelt er die Möglichkeiten seines Instruments stetig weiter. Diese Umtriebigkeit brachte ihm eine erkleckliche Zahl an Auftragskompositionen, Beiträgen zur Vertonung von Stummfilmen, für Theater und Radio.
http://www.philadelphy.at
http://www.wolfgangmitterer.at
http://klammer.mur.at
Rocks in the Sea (A, USA, F)
Mario Rechtern – reeds
Eric Zinman – piano
Benjamin Duboc – double bass
Didier Lasserre – drums
Hier haucht ein international besetztes Quartett dem Free Jazz neues Leben ein. Was die vier Herren an Spielwitz, Energie und Spiritualität gemeinsam aus ihren Instrumenten zaubern, versetzt Freunde etwa der Ayler´schen Musikktradition in pures Entzücken. Gemeinsam setzen sie in ihren kollektiven Improvisationen zu Höhenflügen an, ohne Seil und Gurt wagen sie sich in schwindelnde Höhen – nur um im nächsten Moment wieder dazustehen wie der sprichwörtliche Fels in der Meeresbrandung.
Der in Berlin geborene, später am Mozarteum in Salzburg studierende Mario Rechtern zählt zu den Pionieren der freien Musik in Österreich. Fritz Novotny holte ihn in die Reform Art Uni, Leena Conquest, Paul Fields und Sunny Murray gehören neben vielen anderen zu seinen Spielpartnern. Sein Kollege Eric Zinman adelte ihn kürzlich als „Austria´s best!“. Der US-amerikanische Pianist Eric Zinman wurde früh beeinflusst von Thelonious Monk, bis heute zeigt er sich fasziniert von Bill Dixon. Zinman spielte u. a. mit Raphe Malik, Sabir Mateen, Glenn Spearman, leitet sein eigenes Eric Zinman Ensemble und die Band The great divide und steht darüber hinaus in regem Kontakt mit Videokünstlern und auch Tänzern. Benjamin Duboc ist einer der profiliertesten Vertreter der französischen Jazzszene, vor zwei Jahren brillierte er hier gemeinsam mit Jean-Luc Guionnet und Edward Perraud im Trio The Fish. Didier Lasserre, langjähriger Partner Duboc´s in unterschiedlichen Formationen, zählt gleichfalls zur Creme in Frankreichs Jazz. Gemeinsam betreiben sie etwa auch die wunderbare Free Band Nuts.
http://ericzinman.com
http://benjamin.duboc.free.fr
http://didierlasserre.free.fr
Sonntag, 7. März 2009, 19.00 Uhr
Alte Gerberei, St. Johann in Tirol
Myra Melford – Be Bread Trio (USA)
Myra Melford – piano
Brandon Ross – guitars
Stomu Takeishi – e-bass
Be Bread wurde von Myra Melford im Jahr 2002 gegründet, die Band arbeitet als Trio, als Quartett und auch als Quintett (erweitert um Trompeter Cuong Vu und Klarinettist Ben Goldberg). Der Name der Gruppe bezieht sich auf ein Gedicht des persischen Dichters Rumi – „If you've not been fed, be bread". Myra Melford setzt in diesem Projekt konsequent ihren kompositorischen und pianistischen Weg fort. So integriert sie in ihren Arrangements verschiedenste musikalische Stilrichtungen, wie indo-pakistanische Einflüsse, Blues, Jazz, Jungle. Melford gilt als großartige Virtuosin im Grenzbereich zwischen Jazz und Freier Improvisation. Ihre klassische Ausbildung, die Einflüsse ihrer Heimatstadt Chicago und Studienreisen in fernöstliche Länder prägten ihren Stil nachhaltig. Mehr als 30 Plattenaufnahmen, davon 19 als Leader oder Co-Leader, sind Zeugnis ihrer bewegten Karriere. Kritiker Francis Davis meinte: „She ist the genuine article, the most gifted pianist/composer to emerge from jazz since Anthony Davis.”
In ihrem Be Bread Trio tummeln sich zwei Großmeister der Saiten: Stomu Takeishi gilt als Bassist als einer der unentbehrlichen prägenden Figuren der New Yorker Jazzszene, seine Auftritte mit Cuong Vu´s Scratch oder Ned Rothenberg´s The Fell Clutch verbleiben uns bis heute in allerbester Erinnerung. Und Brandon Ross zählt ohnehin seit Jahren zu den vielseitigsten Gitarristen, Auftritte mit Henry Threadgill, Leroy Jenkins, Archie Shepp, den Lounge Lizards, Butch Morris oder Don Byron unterstreichen seinen Ruf als Ausnahmekünstler.
http://www.myramelford.com
Viva la pappa col pomodoro! (A, VE)
Pia Palme – subbassrecorder, electronics
Electric Indigo – synthesizer
JSX – turntables
Was passiert, wenn sich so unterschiedliche musikalische Charaktere wie die Blockflötistin Pia Palme, der Turntabler Jorge-Sanchez-Chiong aka JSX und jene DJ und Musikerin, die unter dem Namen Electric Indigo international die Clubs zum Kochen bringt, zu einem Trio vereinen? Es entsteht – durchaus unerwartet – eines der packendsten und diffizilsten Improvisationstrios, das hierzulande in den letzten Jahren zu hören war. Musik im Spannungsbogen von elektronischem Klanggewitter und feinst ziselierten kammermusikalischen Nuancen, zwischen orchestralen Sounds, dem aufwühlenden Getöse von Kirchenorgeln und dem beruhigenden Brummen tiefster Bassblockflöten.
Der Name des Trios Viva la pappa col pomodoro! weist auf eine gleichnamige Plattenaufnahme aus dem Jahr 1963, interpretiert von der italienischen Schlagersängerin Rita Pavone, hin. Eine unorthodoxe, wegweisende und beschwingte Mixtur aus südländischem Charme und alpiner Musiziertradition.
Dass die Blockflöte in der Improvisierten Musik nicht gänzlich den Laptops weichen musste und als ebenbürtiges Instrument wahrgenommen wird, ist das Verdienst von Musikerinnen wie Angélica Castellò, Maja Osojnik, Eiko Yamada und eben Pia Palme. Baumlang thront ihre Subbassflöte auf der Bühne, allein schon ihr Anblick fasziniert ungemein. Pia Palme genoss eine klassische Ausbildung auf der Blockflöte, zeigte sich aber von Beginn an fasziniert vom Klang der Orgel. Als ihr schließlich das Korsett der klassischen europäischen Musik zu eng wurde, wandte sie sich von einem Tag auf den anderen der Neuen Musik und der Improvisation zu. Electric Indigo steht für eine intelligente Form des Techno und seiner dazugehörigen Parties. Ohne Übertreibung zählt sie heute zu den international gefragtesten InterpretInnen und SchöpferInnen elektronischer und durchaus tanzbarer Musik. Mit female:pressure gründete sie eine internationale Datenbank für weibliche DJs, Produzentinnen und Videokünstlerinnen. Ihre Werke veröffentlicht sie auf ihrem eigenen Label indigo.inc.recordings. Seit 2002 arbeitet sie verstärkt mit Musikerinnen aus dem Improbereich, wie etwa Mia Zabelka, Dorit Chrysler oder eben Pia Palme. Als „akustisches Edel-Geröll“, „lustvollvirtuosem Farbenspiel“, „aufwühlend“, „kompakt“, „hyperschnell“ und „meisterhaft“ wurde das Werk des kubanisch-chinesisch abstämmigen Komponisten und Musikers Jorge Sanchez-Chiong gelobt. JSX, so sein Künstlername, wurde 1969 in Caracas geboren und lebt seit 1988 als freischaffender Künstler in Wien, wo ihm die wichtigsten Ensembles für Neue Musik zahlreiche Aufträge erteilt haben. Schwerpunkt seines Schaffens ist die enge Zusammenarbeit mit KünstlerInnen aus verschiedenen Sparten und Stilrichtungen, seine Werke sprengen den Rahmen der Konzertmusik und setzen sich im Bereich des experimentellen Theaters, der Videokunst, in Tanz und Elektronik fort.
http://www.piapalme.at
http://www.indigo-inc.at
Les Diaboliques (GB, CH, F)
Maggie Nicols – voice
Irène Schweizer – piano
Joëlle Leandre – double bass
Die drei Europäerinnen – die Londonerin Maggie Nicols, die Pariserin Joëlle Léandre und die Züricherin Irène Schweizer – haben alles, was die heutige Jazzmusik so aufregend macht: Improvisationsfreude, Können, Witz, Kenntnis der Jazztradition, szenische und gestische Phantasie. Die Auftritte der drei Musikerinnen sind ein Seh- und Hörvergnügen der besonderen Art! Ein musikalisch spontan improvisiertes, abstraktes Bühnenstück mit dramatischen, skurrilen und ausgeflippten Passagen. „Traum- bis zauberhaft!“ beschreibt der Jazzkritiker Hans-Jürgen von Osterhausen die drei „Himmlischen“.
So oft wurde über dieses schon Trio geschrieben, kaum einer konnte ihre Musik so auf den Punkt bringen wie Werner Lüdi: „Etwas, das die Ausstrahlung von Schönheit hat, bringt in mir etwas zum Klingen, von dem ich nachher, wenn es vorbei ist, sage: Da war ich ganz bei mir und gleichzeitig ganz in der Welt, zuerst und für einen Augenblick mit stockendem Atem, dann vollständig eingenommen und versunken, staunend, mitschwingend, erregt, ohne Anstrengung und auch ruhig, gebannt vom Zauber, der mich trifft. Gefühle der Freude. Gelassene, ungestörte Schönheit. Nichts ist vermittelt. Alles ist sich selbst. Ja, und es ist kraft- und humorvoll zugleich. Auch auf scheinbaren Nebenpfaden nicht der leiseste Hauch eines Zögerns oder hinderlichen Bedenkens, dass das freie Fantasieren etwa in die Irre führen könnte. Eben noch hier, dann da, dann dort, wechseln sie immer wieder mal die Richtung oder lassen sich von einem Einfall verliebt zum nächsten treiben, als ob jener der eigentliche Hauptstrom der Geschichte wäre. Oder das Rinnsal weitet sich unversehens zum Gewässer der Fluss zum Delta das Delta zum Meer , bis wir auf einmal erkennen, dass zum großen Weltenozean hier alles drängt und auch die scheinbaren Abschweifungen nur Teile einer allumfassenden verschwenderischen Ausschweifung sind.“
http://www.maggienicols.com