artacts 12
Ermäßigter Vorverkauf:
Festivalpass: EUR 60,-- (AK: EUR 70,--)
Tageskarte: EUR 25,-- (AK: EUR 30,--)
Dass Österreich trotz seiner überschaubaren Größe eine starke und aktive Festivalszene bei Jazz- und Improvisationsmusik aufweisen kann und einer dieser Hot Spots in St. Johann in Tirol liegt, ist seit Jahren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Zum bereits zum 12. Mal sorgt hier das kleine feine Festival artacts für internationale Furore.
Neben zahlreichen Konzerten an den drei Abenden ergänzt heuer eine Kooperation mit dem Tiroler Landeskonservatorium das Programm: der in Berlin lebende, aus Australien stammende Kontrabassist Clayton Thomas wird in einem zweitägigen Workshop u. a. mit StudentInnen der Jazz-Klasse arbeiten und das Resultat live auf die Bühne bringen. Ein Highlight des Festivals ist sicher das 10köpfige Resonance Ensemble rund um den vielfältigen und umtriebigen Chicagoer Saxophonisten Ken Vandermark. Er leiht nicht nur dem aktuellen Sujet des Festivals sein Gesicht, er wird auch mit dem Ensemble Free Fall bereits am Freitag zu hören sein. Von streng Notiertem, wie das Projekt Exit Eden um den Pianisten Hannes Löschel und den phänomenalen Stimmvirtuosen Phil Minton, bis hin zu Extatisch-Brachialem, wie das niederländische Quartett Cactus Truck, das sich überdies mit Saxophonisten Dave Rempis einen musikalischen Haubenkoch seiner Zunft geangelt hat, reicht die beeindruckende Bandbreite. Darüber hinaus wird ein österreichisches Trio mit dem Tiroler Martin Mallaun (Zither), Helga Pogatschar (Electronics) und Harald Pröckl (Akkordeon) am Sonntag ein Auftragswerk des Festivals zur Uraufführung auf die Bühne der Alten Gerberei bringen.
Freitag, 9. März 2012, 19.00 Uhr:
Free Fall (USA, N)
Ken Vandermark - reeds
Havard Wiik - piano
Ingebrigt Haker-Flaten - double bass
Inspiriert vom legendären wegweisenden Jimmy Giuffre Trio der 1960er-, 70er- und 80er-Jahre (mit Paul Bley und Steve Swallow) formierte sich Free Fall zu Beginn des neuen Jahrtausends. In der kammermusikalischen Situation und ohne Perkussion findet die Band rasch ihre eigene Stimme, überzeugend vor allem in einem außerordentlich entspannten und ruhigen Aufbau der musikalischen Strukturen, Melodien, Rhythmen. Als durchwegs gleichberechtigte Partner betrachten sich Klarinette, Bass und Klavier in diesem Konzept, jahrelange Kooperationen der drei Bandmitglieder – auch in verschiedenen musikalischen Zusammenhängen – gewährleisten blindes Verständnis und somit ungemein spannende Kompositionen wie auch völlig freie Musik.
Vier wunderbare Alben dokumentieren mittlerweile die Musik von Free Fall: das erste, Furnace, entstand bereits 2002, nur zwei Jahre später und nach ausgedehnten Tourneen durch Europa und die USA spielte man die wesentlich freiere Amsterdam Funk ein. Als reifste Alben der Band gelten schließlich The Point In A Line, eingespielt im Sommer 2006, und Gray Scale aus dem Jahr 2010.
Ken Vandermark prägt seit einem Vierteljahrhundert den Jazz in seiner zeitgenössischen Form entscheidend mit. Sei es in seinen langjährigen Projekten wie Vandermark 5, das DKV-Trio, zahllosen Duo-, Trio-, Quartett-Besetzungen und Großensembles – der umtriebige Chicagoer setzt Meilenstein für Meilenstein.
Ingebrigt Håker Flaten, der Mann mit dem unbändigen Temperament, zählt in der zeitgenössischen Jazzszene zu den begehrtesten Bassisten. Mit seiner Energie vermittelt er Ensembles wie The Thing, Atomic, dem Scorch Trio (Strombass!) oder seinem IHF Quintet unnachahmliche Intensität und eine unverwechselbare Freude am Spiel.
Seit gut zwei Jahrzehnten bestellt auch Pianist Håvard Wiik sein Feld. Gemeinsam mit Ingebrigt, Paal Nilssen-Love, Magnus Broo und Fredrik Ljungkvist gründete er 1999 die Band Atomic, darüber hinaus arbeitet er immer wieder mit Karin Krog und Arild Andersen sowie mit seinen amerikanischen Kollegen Chris Potter oder Iain Ballamy.
www.kenvandermark.com
www.ingebrigtflaten.com
Gasser/Trzaska (CH, POL)
Clementine Gasser - 5 string cello
Mikolaj Trzaska - reeds
Bis in den Mai 2003 zurück reicht die musikalische Zusammenarbeit von Clementine Gasser und Mikolaj Trzaska: am Festival Blooms Day in Dublin begegnete man sich erstmals, der Beginn einer langjährigen musikalischen Beziehung. Und ihre Musik hat bis heute nichts von der Frische und Spontanität verloren.
Clementine Gasser, aus der Schweiz stammend, seit 1996 in Wien lebend, zählt zu den beeindruckendsten Erscheinungen der österreichischen Impro-Szene. Hochvirtuos, majestätisch, engagiert und sensibel zugleich, manchmal bedrohlich und gefährlich wirkend, drückt sie mit ihrer Hingabe der Musik unverkennbar ihren Stempel auf. Clementine Gasser beschreibt ihre Musik als „Subversive Klassik-Avantgarde“, ein Begriff nicht gänzlich unabhängig von den Bildungen des Zufalls. Kompositorische Prozesse, Collage-Techniken und Improvisation verbinden sich zu einer Grundlage für „konvulsivische Schönheit“. Die Klanggebilde und Tonabfolgen finden sich in polaren Systemen wi(e)der und begegnen sich in einem wechselseitigen Verhältnis, das die Musik in der Ruhe wie in der Bewegung bestimmt.
Mehrere Auszeichnungen und Förderpreise würdigen Clementine Gassers Werk, 2005 erhielt sie etwa den „Förderungspreis der Stadt Wien in der Sparte Musik“, 2006 den „Förderungspreis für Musik/Komposition der Republik Österreich“ (Staatspreis) und – ganz aktuell – das Staatsstipendium für Komposition 2012 der Republik Österreich.
Mikolaj Trzaska gilt als jazzmusikalischer Querdenker, ist Mitbegründer der Yass-Szene, der in Polen markanten Jazz-Avantgarde. Stark geprägt von der Musik John Coltranes und Ornette Colemans, wandte sich der Autodidakt schon früh dem Freejazz zu. Er konzertiert weltweit, zu seinen musikalischen Partnern zählen bzw. zählten – neben zahllosen anderen – Lester Bowie, mit dem er auch 2 Platten einspielte, Tomasz Stanko und Peter Brötzmann, mehrjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit Ken Vandermark, Joe McPhee, Jay Rosen, Johannes Bauer oder dem Drummer Tim Daisy.
www.clementine-gasser.com
www.trzaska.art.pl
ReDDeeR (USA, A, GB)
Fay Victor - vocals
Elisabeth Harnik - piano
Dominic Lash - double bass
Gut zwei Stunden nördlich von New York City entfernt liegt das Omi International Arts Center. Alljährlich werden dort MusikerInnen aus allen Ländern der Welt eingeladen, um zweieinhalb Wochen lang an gemeinsamen Ideen und neuen Konzepten zu basteln. Im Sommer 2010 trafen sich ebendort die New Yorker Vokalistin Fay Victor, die österreichische Pianistin Elisabeth Harnik und der britische Bassist Dominic Lash. Drei großartige ImprovisatorInnen in einem Trio vereint, und nun – dankenswerter Weise der logische Schluss – der Fortbestand der Band als ReDDeeR!
Die New York Times bezeichnen die Sängerin, Lyrikerin und Komponistin Fay Victor als „artistically complete“, zuhause genauso im Blues wie im Jazz, in der Freien Improvisation oder als Interpretin eigener Kompositionen. Als Leaderin eigener Bands hat sie bislang 7 CDs veröffentlicht, durchwegs mit durchschlagendem Erfolg. Ihre Tourneen führen sie über die USA hinaus nach Europa, Indien, Russland, Japan. Anthony Braxton, Misha Mengelberg, William Parker, Laurence Butch Morris, Gary Lucas oder Roswell Rudd waren einige ihrer musikalischen Partner. Erst kürzlich gastierte sie in einem unvergessenen Auftritt mit dem Ab Baars Trio in der Alten Gerberei.
Elisabeth Harnik zählt zweifellos zu den schillerndsten Persönlichkeiten einer jungen österreichischen Impro-Szene. Neben ihren Solo-Arbeiten sind vor allem auch zahlreiche Kooperationen mit österreichischen und internationalen MusikerInnen, wie etwa mit Joëlle Léandre, John Butcher, Gail Brand, Alison Blunt, Clementine Gasser, Gianni Mimmo, Jeff Parker, Michael Zerang, Dave Rempis, Fred Lonberg-Holm oder Ken Vandermark Marksteine des umtriebigen Wirkens einer ungemein kreativen Musikerpersönlichkeit. Ihrem ersten Auftritt bei artacts ´08 in St. Johann mit Johannes Bauer und Clayton Thomas folgte prompt eine Einladung zum Umbrella Music Festival in Chicago, weitere Stationen bildeten etwa The Soundings Festival London, Nickelsdorfer Konfrontationen, Ulrichsberger Kaleidophon, Musicacoustica Beijing.
Bassist Dominic Lash wirkte viele Jahre tonangebend am Aufbau der Oxford Improvisers Cooperative/UK, gemeinsam mit Pat Thomas, Pete McPhail und Phil Wachsmann. Heute lebt er in New York und arbeitete etwa mit Tony Conrad, Evan Parker und Steve Reid. Für seine eigene Band, dem Dominic Lash Quaret, schreibt er die Stücke selbst, darüber hinaus spielt er auch im Convergence Quartet mit Taylor Ho Bynum, Harris Eisenstadt und Alexander Hawkins, sowie im Trio mit John Butcher und John Russell.
www.fayvictor.com
www.elisabeth-harnik.at
www.dominiclash.co.uk
The Ames Room (AUS, F)
Jean-Luc Guionnet – saxophones
Clayton Thomas – double bass
Will Guthrie – drums
Ein Ames-Raum ist ein Raum, dessen Wände und Texturen derart verzerrt sind, um verschiedene optische Täuschungen und Verunsicherung hervorzurufen. Entwickelt wurde er vom 1946 vom US-amerikanischen Augenarzt und Psychologen Adelbert Ames. Verzerrungen rein akustischer Art haben sich die drei Mitglieder der Band The Ames Room zu eigen gemacht – sind sie doch allesamt aktiv in so unterschiedlichen Bereichen wie Impro, elektro-akustische Komposition, Jazz, Installationen, Noise, Rock. In der gemeinsamen Leidenschaft für Free Jazz schließlich vereinen sie sich zu energetischen und kompromisslosen Höhenflügen. Die Musik von The Ames Room bewegt sich etwa zwischen Roscoe Mitchell´s Noonah, Last Exit oder Henry Threadgills Klangteppichen.
Jean-Luc Guionnet ist Philosoph, Maler und Musiker. Er spielt Altsaxophon und Kirchenorgel. Seine Kompositionen aus elektronischen und organischen Klängen bewegen sich an den Rändern zur Musique concrète. Klangerforschung betreibt Guionnet auf vielen Ebenen: er spielt Free Jazz und Freie Improvisation, konzipiert Klanginstallationen und verfasst Abhandlungen über Klangästhetik. Unvergessen bleibt uns der Auftritt mit dem Trio The Fish (artacts ´08, mit Benjamin Duboc und Edward Perraud), weiters spielt Guionnet u. a. im Duo mit Seiji Murayama oder in den Bands Hubbub, Calx, Quatuor de Saxophones, …& mics, Phéromone.
Seit einigen Jahren lässt er die zeitgenössische Jazzszene aufhorchen: der junge Australier Clayton Thomas spielt Kontrabass, hat sich nicht nur in seiner Wahlheimat Berlin zu einem der gefragtesten Musiker seines Genres gemausert – Clayton Thomas spielt mittlerweile mit einem großen Teil der internationalen Jazz- und Free-Szene, als Beispiele mögen hier stellvertretend etwa Peter Brötzmann, Peter Evans, Mats Gustafsson, Franz Hautzinger, Johannes Bauer, Jim Denley, Jean-Luc Guionnet oder Michael Zerang gelten. Dabei hat Clayton Thomas eine sehr eigene Technik entwickelt: er schiebt, steckt, rammt Gegenstände zwischen die Saiten, um ihren Klang zu verändern und spielt sie dann mit zwei Bögen oder klöppelt auf ihnen.
Ebenfalls aus Australien stammt Drummer Will Guthrie. Guthrie studierte Jazz und Improvisierte Musik am Victorian College of the Art in Melbourne, nebenbei wirkte er dort als Co-Organisator von Konzertreihen experimenteller und Impro-Musik. Guthrie verwendet in seinen Sounds neben dem klassischen Drum-Set immer wieder Abfallprodukte, Metallteile, experimentiert mit Mikros und Elektronik. Nach seiner Übersiedlung nach Nantes etablierte er sich rasch als aktiver Teil der experimentellen Impro-Szene Frankreichs, aber auch in so kontroversiellen Projekten wie im Folk-Duo Elwood & Guthrie.
http://theamesroom.wordpress.com
www.jeanlucguionnet.eu
http://will-guthrie.com
Samstag, 10. März 2012, 19.00 Uhr:
Highschool Students Workshop Orchestra, cond. by Clayton Thomas (Int., AUS)
Exit Eden, feat. Phil Minton (A, GB) - Songs of Innocence
Phil Minton - vocals
Hannes Löschel - piano, keyboards
Michael Bruckner-Weinhuber - guitars
Bernd Satzinger - double bass
Matthias Koch - drums
Exit Eden, von Hannes Löschel 2007 im Vorfeld der Bühnenproduktion Paradise Lost – Exit Eden mit weiteren Protagonisten – Burkhard Stangl, Clayton Thomas und Mathias Koch – aus dem Feld improvisierter aktueller Musik aus der Taufe gehoben, agierte vorerst konzertant und als Soundtrack-Combo im stiloffenen Feld aktueller, freier Musik. Im Rahmen der im weiteren Umfeld des Rocks angesiedelten Songs of Innocence gemeinsam mit dem britischen Sänger Phil Minton erweiterte das Kleeblatt seinen Klangkörper und tritt nun als Quintett auf die Bühne.
In Hannes Löschels Kompositionen Songs of Innocence (nach dem Zyklus des Malers und Poeten William Blake aus dem 18. Jahrhundert) wird jenes bedrohliche Kippmoment spürbar, dass alle Schönheit und Lyrik von einem Augenblick auf den anderen umkippen kann ins Gegenteil, in Barbarei. Ob Rockmusik, Folk, Country, Ballade – man hört sogar Anklänge an Doom Metal und Ambient in der Spielart einer Band wie Bohren und der Club of Gore – Löschel, der sich immer wieder an der Schnittstelle von Neuer Musik, Jazz und populärer Liedform bewegt hat, beherrscht diese Genres allesamt. Er kann daraus ganz neu klingende und doch geradezu traditionelle Stücke schaffen. Musik voll betörender Schönheit, theatralische Räume, in denen die Musiker verschiedene Rollen annehmen können. Man müsste alleine über die Kunst von Phil Minton ins Schwärmen geraten: Wie der Avantgardist mit seinem walisischen Bariton die unscheinbarsten Zeilen zum Glänzen bringt, sie aufplustert, sie transzendiert und doppelbödig erscheinen lässt, ist schier unfassbar. Löschel hätte sich keinen geeigneteren Sänger wünschen können: Diese Stimme birgt sowohl die Wärme als auch das Unheimliche, das Hannes Löschel in den Gesängen Blakes gefunden hat. Das Schöne nämlich ist immer des Schrecklichen Anfang. (Nach Ulrich Rüdenauer)
An Aufträgen wie auch an Ideen dürfte es Hannes Löschel nicht mangeln. Der Pianist zählt ohne Zweifel zu den eifrigsten und kreativsten Köpfen seiner Zunft. Auftritte auf Festivals für zeitgenössische Musik in der ganzen Welt pflastern seinen Weg, für die CD While You Wait mit dem Trio Löschel/Skrepek/Zrost erntete er den Hans-Koller-Preis 1997. Hannes Löschel wurde u. a. mit dem österreichischen Staats-Stipendium 2001 ausgezeichnet.
Gitarrist Michael Bruckner-Weinhuber werkt aktuell in so unterschiedlichen Projekten wie Zur Wachauerin, Niftys, Brpobr, ist Mitglied in Hannes Löschels Stadtkapelle und der Maja Osojnik Band. Klangtüftler und Drummer Mathias Koch ist stets auf der Suche nach neuen Sounds und Klangmöglichkeiten, neben anderen arbeitete er mit Wilbert De Joode, Marc Ducret, Wolfgang Mitterer, Burkhard Stangl, Achim Tang. Neu in der Band ist Bassist Bernd Satzinger. Der Gewinner des Austrian Young Lions 2003 (mit der Gruppe Kelomat) und des Hans-Koller-Preises (mit der Jazzwerkstatt Wien) tritt als Co-Initiator ebenjener Jazzwerkstatt Wien in Erscheinung und spielte u. a. mit Carl Pannuzzo, Karl Ritter, Maja Osojnik, Walther Sojka und den Strottern.
www.hannesloeschel.com
www.bruckner-weinhuber.at
www.mathiaskoch.net
Barrel (GB)
Alison Blunt – violin
Ivor Kallin – violin, viola
Hannah Marshall – cello
Das London Improvisers Orchestra zählt gemeinhin zu den kreativsten Werkstätten Zeitgenössischer Improvisierter Musik, weit über Großbritannien hinaus reicht sein Ruf. Zahllose Kombinationen, kleinere und kleine Ensembles haben sich aus diesem Experimentierlabor heraus entwickelt. Nun haben sich drei der engagiertesten Mitglieder zum Streichertrio Barrel zusammengeschlossen. Schon seit gut sechs Jahren arbeitet die Violinistin Alison Blunt und der Violaspieler Ivor Kallin im Duo zusammen, für das Freedom of the City Festival im Jahr 2007 lud man die Cellistin Hannah Marshall, die schon zuvor mit Beiden in unterschiedlichen Konstellationen gearbeitet hat, in die Band. Das Projekt war letztlich so erfolgreich, dass Barrel seither in unveränderter Besetzung auftritt. Erfrischende Kammermusik jenseits alter Clichès und ausgetretener Pfade.
Alison Blunt, geboren in Momasa, Kenya, wuchs in Nairobi auf und übersiedelte als Kind nach Großbritannien. Schon während ihrer klassischen Ausbildung an der Violine war sie fasziniert von der Suche nach neuen Sounds und Klängen. Soloauftritte in der ganzen Welt und Kooperataionen mit so unterschiedlichen MusikerInnen wie Chandru and the Strings of India, Anne Bean, Raly Warleigh, Guy Dartnell, John Edwards oder Ed Harcourt markieren ihre Karriere. Darüber hinaus arbeitet Alison Blunt in Film-, Tanz- und Theaterproduktionen und sogar in Folk- und Rockbands.
Der in Strathbungo bei Glasgow geborene Ivor Kallin zählt seit vielen Jahren schon zu den prägendsten Mitgliedern der Londoner Improszene. Seine Hingabe an die Musik und sein Variantenreichtum an der Viola – er schabt, kratzt, zwirbelt die Saiten – und nicht zuletzt sein imposantes Erscheinungsbild lassen seine Konzerte zum unvergesslichen Erlebnis geraten.
Als gefragte Musikerin in der Zeitgenössischen Improszene wie auch als Performerin in Theater-, Film- und Tanzproduktionen gilt auch die Cellistin Hannah Marshall. Neben ihrer regen Konzerttätigkeit entwickelt und praktiziert sie Unterrichtsmethoden für Kinder von 7 Monaten bis 16 Jahren. Hannah Marshall war zuletzt hier in Veryan Weston´s und Luc Ex´s Ensemble Sol 6 zu hören.
www.alisonblunt.com
Cactus Truck, feat. Dave Rempis (NL, USA)
Dave Rempis – saxophones
John Dikeman – saxophones
Jasper Stadhouders – e-guitar
Jon Rune Strom – double bass
Onno Govaert – drums
Von der ersten Note an werfen sich Cactus Truck in die musikalische Schlacht, in heldenhafter Manier, als ob es um die Rettung der Menschheit ginge. Die in Amsterdam beheimatete Band spielt ungemein dichte, packende und mitreißende Musik, nicht bloß hinsichtlich Lautstärke und Geschwindigkeit, sondern mit völliger physischer und psychischer Hingabe. Zwischen Delta Blues, Free Jazz, japanischem Noise und No Wave balancieren die Jungs, rau und erdig, grindig wie chaotisch, betörend schön!
Der in Amerika geborene und in heute Amsterdam lebende Saxophonist John Dikeman beherrscht perfekt die musikalische Skala zwischen reduziertem Minimalismus bis hin zu wildestem Freejazz. Als Gast auf Festivals in den USA, in ganz Europa und Afrika verweist er auf Kooperationen mit Koryphäen wie Joe McPhee, Han Bennink, Fred Lonberg-Holm, Roy Campbell, Wilbert De Joode, um nur Einige zu nennen.
Jasper Stadhouders ergriff seine erste Gitarre im Alter von 6 Jahren, über Jazz fand er zu Impro, Zeitgenössischer und Experimenteller Musik. Allein seine physische Präsenz lässt seine Konzerte zu einem besonderen Erlebnis wachsen, ein Jim Black, Marshall Allen (Sun Ra Arkestra), The Ex Guitars, Peter Evans, Ab Baars, Michael Moore, Michael Vatcher und viele andere können ein gemeinsames Lied davon singen.
Von ersten Erfahrungen in Punkbands über Jazz gelangte Drummer Onno Govaert bald zu Noise und Freejazz. Sein Spiel ist geprägt von Leidenschaft, fast Bedrohlichkeit, als ob der Teufel persönlich hinter ihm her wär. Festivalauftritte in Europa und den USA mit einem großen Teil der so regen niederländischen Improszene, mit Trevor Dunn, Benoit Delbeca, Audrey Chen, Dave Rempis oder Frank Rosaly zählen zu den Stationen des jungen Govaert.
Vom Trio zum Quartett erweitert wurde die Band kürzlich vom norwegischen Bassisten Jon Rune Strom. Strom zählt zu jener schier unerschöpflichen Riege junger Musiker seiner Landes, die mit fundierter Technik, unzähmbarer Energie und Neugier international ordentlich für Furore sorgen.
Eigens für artacts ´12 haben sich Cactus Truck mit Dave Rempis einen Special Guest an Bord geholt, der den einzelnen Bandmitgliedern in unterschiedlichen Konstellationen schon seit Jahren sehr nahe steht. Der aus Massachusetts stammende Saxophonist zählt zu den wichtigsten Vertretern der Chicagoer Free-Szene. Nach seiner Ausbildung am klassischen Saxophon zog es ihn schon bald zu den Wurzeln afroamerikanischer Musik, ein Jahr Studium der Afrikanischen Musik und Ethnomusik an der Universität in Ghana prägten ihn nachhaltig. Neben zahlreichen eigenen Projekten, wie The Rempis Percussion Quartet, The Engines, The Rempis/Rosaly Duo, Bishop/Rempis/Kessler/Zerang oder Wheelhouse ist er begehrtes Mitglied in Bands von Ken Vandermark, Ingebrigt Håker Flaten, Peter Brötzmann, Fred Anderson oder Kevin Drumm.
www.johndikeman.com
www.jasperstadhouders.wordpress.com
www.soundcloud.com/onnogovaert
http://daverempis.com
Sonntag, 11. März 2012, 19.00 Uhr:
Williams/Haker-Flaten/Daisy (USA, N)
Mars Williams - saxophones
Ingebrigt Haker-Flaten - double bass
Tim Daisy - drums
Mars Williams gehört zu den schillerndsten Musikern jener Chicagoer Jazzszene, die ja mit Aufsehen erregenden Persönlichkeiten nicht gerade geizt und mit Sicherheit zu den Brennpunkten weltweit zählt. Schon sein Trompete spielender Vater infizierte ihm mit dem Virus des Jazz, nach seinen ersten Lehrjahren an der Klarinette wechselte er bald zum Alt- und letztlich zum Tenorsaxophon. Studien bei Karl Bergers Creative Music Workshop, bei Don Cherry, Muhal Richard Abrams und Anthony Braxton festigten seinen Ruf als junger Wilder, bevor er nach dessen Tod Hal Russells NRG Ensemble übernahm. In den frühen 1980ern spielte er überdies mit John Zorn, Bill Laswell, Elliott Sharp, Fred Frith und Daevid Allen. Seine musikalische Bandbreite umfasst jedoch auch Auftritte mit Billy Idol, und besonders erfolgreich wirkt er als Mitbegründer und Mastermind der Funk- und Acid Jazz-Band Liquid Soul.
Mars Williams gastierte mit dem NRG Ensemble 1993 erstmals in St. Johann in Tirol, damals noch im Cafe Rainer. Mit dabei damals Ken Vandermark und Kent Kessler, zwei Musiker, die unsere Arbeit bis heute immer wieder markant begleiten. Vor vier Jahren spielte er mit Liquid Soul als Support Act vor Stevie Wonder im Kitzbüheler Sportpark.
Die Idee zum Trio mit Ingebrigt Håker Flaten und Tim Daisy kam Mars Williams anlässlich eines ausführlichen Gesprächs beim Festival Music Unlimited 2011 in Wels. Auf die Uraufführung dieser Band warten wir mit großen Ohren, noch größerer Anspannung und heller Freude!
www.ingebrigtflaten.com
http://timdaisy.wordpress.com
Zimpel/Reisinger (PL, A)
Waclaw Zimpel - clarinets
Wolfgang Reisinger - drums, percussion
Das Duo Waclaw Zimpel & Wolfgang Reisinger vereint zwei international höchst renommierte, herausragende Individualisten und großartige Improvisatoren in einem gemeinsamen Projekt. Waclaw Zimpel studierte klassische Klarinette bei Prof. Zdzislaw Nowak in Poznan und in Hannover am Institut für Musik und Theater. Schon früh fokussierte sich sein Interesse jedoch auch auf verschiedenste Formen der Freien Improvisation, seine klassische Ausbildung, sein Faible für Experiment und sein Drang nach Freiheit machen ihn zu einem der universellsten Musiker seiner Generation. So arbeitete er mit so wesentlichen Komponisten und Improvisatoren gleichermaßen, wie etwa Raphael Roginski, Marcin Masecki, Klaus Kugel, Chistian Ramond, Steve Cohn, Joe McPhee, Bobby Few und – natürlich – Ken Vandermark und seinen Kollegen im Resonance Ensemble.
Wolfgang Reisinger, geboren 1955 in Wien, erhielt schon mit 5 Jahren seinen ersten Klavierunterricht, an der Hochschule für Musik erlangte er das Konzertfachdiplom. Seine musikalische Laufbahn ist geprägt von zahlreichen Mitgliedschaften in Musikgruppen, die er zum Teil auch selbst gründete, so z. B. Part of Art mit Wolfgang Puschnig, Uli Scherer, Herbert Joos und Jürgen Wuchner (1981), mit der er seine ersten CDs Moebius und Son Sauvage produzierte. Von 1979 bis 1989 war er zuerst Percussionist und anschließend Schlagzeuger beim Vienna Art Orchestra, bevor der seinen Schwerpunkt nach Frankreich verlagerte. Seit 1992 arbeitet Wolfgang Reisinger verstärkt an seiner Solokarriere mit dem Projekt Extended Solo Drumming zu arbeiten begann, wofür er mit dem österreichischen Förderungspreis für Musik ausgezeichnet wurde. Einen Höhepunkt seiner Karriere stellt schließlich die Gründung des Trios Celea, Liebman, Reisinger (1996) dar, deren bisherige CD-Produktionen World View, Missing a Page und Ghosts zahlreiche Preise wie choque de la musique, choc du choc und Diapason d’Or gewannen. Seit 2000 ist Wolfgang Reisinger Mitglied im Joachim Kühn Trio. Durch seinen unverkennbarer Stil und seine große musikalische Bandbreite avancierte Wolfgang Reisinger längst zu einem der bedeutendsten Perkussionisten Europas.
www.wolfgang-reisinger.com
www.waclawzimpel.pl
Auftragswerk für artacts ´12:
moonphases (A, D, USA)
Helga Pogatschar – composition, sound scapes
Clea T. Waite – video
Barbara Lüneburg – violin, viola, e-violin
Martin Mallaun – zither
Harald Pröckl – accordion
moonphases ist ein Stück für drei MusikerInnen, Soundscapes und Videozuspielband. Eine Reise über die Mondoberfläche durch Raum und Zeit, eine lyrische Geschichte über die Beziehung zwischen Menschheit und Mond von ersten kulturellen Anfängen bis hin zum Weltraumzeitalter und den Erinnerungen der Generation des Kalten Krieges. Eine Zither, eine Violine und ein Akkordeon markieren live zwischen Komposition und Improvisation heimisches Territorium – normalerweise. In moonphases aber begleiten sie uns in die Welt der science fiction. Dieses Spannungsfeld von Fremdheit und Heimeligem, von Zukunft und Nostalgie gleichzeitig, macht das Absurde und Irritierende des Stücks aus.
Helga Pogatschar absolvierte zwei Studiengänge (künstlerisches Hauptfach Klavier und Komposition für Film und Fernsehen) an der Hochschule für Musik und Theater München. Die Komponistin und Konzeptkünstlerin verwirklichte zahlreiche eigene multimediale Musiktheater-Projekte und arbeitet international mit Tanztruppen und Videokünstlern zusammen. Auf CD veröffentlicht wurden dabei etwa „Mars - ein Requiem", „Titus TrashTatar" und „Inanna", ebenso die mit dem Bayerischen Rundfunk produzierten Hörspiele und Kinderprojekte. Sie war Stipendiatin am internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg und erhielt u. a. den Förderpreis der Landeshauptstadt München.
Clea T. Waite arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst. Die in New York geborene, in Berlin lebende Medienkünstlerin bezieht Computeranimationen, innovative und stereoskopische und Multikanal-Videoinstallationen in ihre Werke ein und schafft so eine völlig neuartige und ungewöhnliche Ästhetik. Clea T. Waite erhielt Stipendien weltweit, ihre Arbeiten wurden international mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen gewürdigt.
Barbara Lüneburgs Arbeit als Solistin und Kammermusikerin hat unzählige Komponisten zu neuen Solowerken, Violinkonzerten und Kammermusik inspiriert. Sie ist Preisträgerin nationaler und internationaler Violinwettbewerbe und empfing prominente Stipendien Sie vereinbart die virtuose russische Schule mit einem modernen europäischen Ansatz. Als Solistin und Kammermusikerin ist Barbara Lüneburg international tätig mit Konzerten auf zahllosen Festivals Zeitgenössischer Musik. Sie ist künstlerische Leiterin von Ensemble Intégrales, darüber hinaus war sie Primaria des Zephyr Quartetts Amsterdam.
Martin Mallaun zählt ohne Zweifel zu den vielseitigsten Künstlern, die hierzulande im Moment im Bereich der experimentellen Musik am Werken sind. Egal ob nun in der Improvisation, in der Elektronik, der barocken Lautenmusik, der alpinen Volkmusik oder der Zeitgenössischen Neuen Musik, der gebürtige Tiroler ist stets auf der Suche nach neuen klanglichen und stilistischen Ausdrucksformen auf der Zither und wandelt dabei unbeirrt an den ästhetischen Schnittstellen der unterschiedlichen Spielformen entlang.
Harald Pröckl, geboren in Heidelberg und nun wohnhaft in Tirol, hat mit 12 Jahren Akkordeon zu spielen begonnen, erst traditionell, dann klassisch. Schon als Jugendlicher entdeckt er die Zeitgenössische Musik, mit Studien am Konservatorium in Trossingen und danach bei Ivan Koval, Christian Muthspiel, Vinko Globokar, Michael Riessler und Stefan Hussong hat er sich eine außergewöhnliche musikalische Bandbreite erworben. Seit 2007 ist Harald Pröckl Leiter des Tiroler Ensemble für Neue Musik.
http://www.helgapogatschar.de/
http://www.clea-t.de/
http://www.barbara-lueneburg.com/
http://www.martinmallaun.com/
Resonance Ensemble (USA, SWE, UA, POL)
Ken Vandermark – tenor & baritone saxophones, clarinet
Dave Rempis – tenor & alto saxophones
Mikolaj Trzaska – alto saxophone, bass clarinet
Waclaw Zimpel – clarinet
Magnus Broo – trumpet
Steve Swell – trombone
Per-Ake Holmlander – tuba
Mark Tokar – double bass
Michael Zerang – drums, percussion
Tim Daisy – drums
Wie in kaum einem anderen osteuropäischen Land sprießt in Polen – zurückreichend in die Jahre des Eisernen Vorhangs – eine Jazzszene, geprägt von Kreativität und Eigenständigkeit, Begeisterung und Innovationsfreude. Dem Reiz dieses Biotops mit seinen talentierten MusikerInnen, den zahllosen Clubs und deren euphorisiertem Publikum erlag auch der Chicagoer Saxophonist Ken Vandermark. Über viele Jahre hinweg schon gastiert er dort mit unterschiedlichsten Bands wie seiner Vandermark 5, mit Sonore und Free Fall, Powerhouse Sound oder The Frame Quartet. Gemeinsam mit Marek Winiarski, dem so emsigen Labelbetreiber (NotTwo Records) und Konzertveranstalter in Krakau gebar man die Idee, ein international besetztes Großensemble unter Einbeziehung von Proponenten der polnischen und ukrainischen Improszene ins Leben zu rufen. Mit dabei somit neben Ken Vandermark die polnischen Holzbläser Mikolaj Trzaska und Waclaw Zimpel, Yuri Yaremchuk aus der Ukraine sowie dessen Landsmann Mark Tokar.
Die ersten Auftritte der Band – in kleinen Teilensembles wie mit dem ganzen Orchester – im Krakauer Alchemia Club, in Krakaus Manghha Museum und im ukrainischen Lviv aus dem Jahr 2007 sind umfassend auf einer 10 CD-Box (NotTwo Records) dokumentiert, und nun begibt sich die Band zu Probentagen nach St. Johann in Tirol und anschließend auf Europatournee.
Die Kompositionen für das Resonance Ensemble stammen aus Vandermarks Feder, seine Erfahrung in der Arbeit mit Großensembles (Peter Brötzmanns Chicago Tentet, Territory Band) sowie sein Faible für die Suite-Formen eines Duke Ellington oder Charles Mingus prägen die Musik der Band.
www.kenvandermark.com
http://daverempis.com
www.trzaska.art.pl
www.waclawzimpel.pl
www.myspace.com/magnusbroo
www.steveswell.com
http://marktokar.info
www.michaelzerang.com
http://timdaisy.wordpress.com

